Musik und Demenz

Sichtbarer Trainingseffekt

 

Regelmäßiges Musizieren verändert das Gehirn. Noch vor etwa 20 Jahren ging man davon aus, dass sich die Nervenverbindungen bei einem erwachsenen Menschen kaum mehr weiterentwickeln können.

 

Heute weiß man es besser. Lutz Jäncke, Professor für Neuropsychologie an der Universität Zürich, hat die Gehirne von Berufsmusikerinnen und -musikern untersucht und festgestellt, dass bei Pianisten das Hirnareal, welches Hand- und Fingerbewegungen steuert, überdurchschnittlich ausgebildet ist. Dirigenten sind besonders gut darin, Musik in ihrer räumlichen Gestaltung wahrzunehmen.

 

Das Gehirn, insbesondere das Frontalhirn, ist auch im Erwachsenenalter fähig, sich an neue Anforderungen anzupassen und neue Aufgaben zu übernehmen.

 

Voraussetzung für diese sogenannte funktionale Plastizität des Gehirns ist ein regelmäßiges, intensives Training.

Gehirn kompensiert Ausfälle

 

Haben nun Musikerinnen und Musiker ein geringeres Demenzrisiko? Ja.

 

2007 konnte in einer groß angelegten Studie nachgewiesen werden, dass Menschen, die musizieren, deutlich seltener an Demenz leiden. Reto W. Kressig: „Ein Musikinstrument zu spielen ist ein Training des Gehirns, das sehr viele Reserven schafft. Das heißt nicht, dass das Gehirn professioneller Musiker vielleicht nicht doch Anzeichen der Alzheimer-Erkrankung aufweist. Aber es ist in so guter Verfassung, dass es sehr lange kompensieren kann.“ Das heißt, Gehirnfunktionen, die dort ausfallen, wo die Alzheimer-Erkrankung auftritt, können vom fitten Frontalhirn übernommen werden.

 

Weniger Neuroleptiker

Die Effekte, die bei demenzkranken Menschen durch eine regelmäßige Teilnahme an diesen Übungen erzielt werden, sind eindrücklich. Reto W. Kressig: „In den Jaques-Dalcroze-Ateliers haben wir gesehen, dass Teilnehmende wieder ganze Sätze formulieren konnten, die vorher nur noch einzelne Wörter sagten. Da zeigt sich eine neuronale Kopplung von Musik, Bewegung und Sprache.“

 

Zudem werde das Sturzrisiko stark reduziert, die örtliche Orientierungsfähigkeit verbessert und die Stimmung positiv beeinflusst. Kressig: „Teilnehmende, die zu Apathie, Hyperaktivität oder Aggressionen neigen, profitieren sehr von den Übungen. In manchen Fällen konnten wir die Dosierung von Neuroleptika reduzieren.“

 

Mozart oder Marschmusik ?

 

Eine wahre Geschichte: Vor einem Alters- und Pflegeheim stellt sich eine Blasmusik auf, um ein Ständchen zu spielen. Eine Frau, die gerade ihren demenzkranken Ehemann besucht, will mit ihm das Weite suchen, da sie von seiner tiefen Aversion gegen Marschmusik weiß. Eine Pflegerin rät ihr aber, zuerst seine Reaktion abzuwarten, und tatsächlich: Kaum rumst das Blech, klatscht der Mann begeistert mit, sehr zur Überraschung seiner Ehefrau.

 

Diese Episode zeigt: Der Musikgeschmack kann sich durch eine Demenzerkrankung verändern. Es ist grundsätzlich richtig, im Umgang mit Demenz betroffenen deren Biografie zu berücksichtigen, auch wenn es um die Musikwahl geht. Musikstücke, die jemand in der Kindheit und Jugend gerne gehört oder selber gespielt hat, sind besonders tief verankert.

 

 

 

Gemeinsames Erleben

 

Da die mündliche Kommunikation zwischen Demenz betroffenen und Angehörigen im Verlauf der Krankheit immer schwieriger wird, gewinnt der Austausch auf anderen Ebenen an Bedeutung. Die Musik bietet dabei wunderbare Möglichkeiten für gemeinsames Erleben. Das kann beim Singen sein, beim Musizieren mit einfachen Instrumenten – dazu später mehr– oder beim Musikhören. Biografische Faktoren können wiederum eine wichtige Rolle spielen.

 

Ein Ehepaar zum Beispiel, das über Jahrzehnte regelmäßig klassische Konzerte besucht hat, kann dieses Ritual noch lange pflegen, auch wenn die Demenz eines Partners schon fortgeschritten ist. Oder es entwickelt sich daraus die Gewohnheit, sich zuhause bei einer Tasse Tee gemeinsam ein klassisches Werk anzuhören. „Gerade bei der Alzheimer-Erkrankung bleibt die emotionale Intelligenz fast bis zum Schluss erhalten“, erklärt Reto W. Kressig. „Deshalb kann die emotionale Qualität von Musik noch sehr lange wahrgenommen und genossen werden.“

 

 

 

 



Musik und ADHS

 

 

 

Viele Kinder und Erwachsene mit ADHS haben einen vertieften Zugang zur Musik, denn sie baut auf einer der vielen positiven Eigenschaften von ADHS`lern auf: Kreativität!

 

Gerade die meist hochsensiblen bzw. hochsensitiven und emotionalen Menschen mit ADHS sind oft überdurchschnittlich kreativ und musisch veranlagt. Nicht umsonst gibt es viele Prominente mit ADHS die durch die Musik und ihrer Kreativität zu großem Erfolg gekommen sind. John Lennon, Mozart, Britney Spears, Jennifer Lopez, Justin Timberlake, Will Smith usw. um hier nur ein paar Namen zu nennen.

 

Auch wenn das Üben eines Instruments manchmal nicht so einfach umgesetzt werden kann, da sich ADHS erschwerend auf gewissen Bereiche wie Selbstmotivation und –Strukturierung, Motorik etc. auswirken kann, bringt die Musik, die dabei entsteht, Betroffenen Freude und einen entspannenden Ausgleich zum Leistungsalltag von Schule und Beruf. Ein Instrument spielen zu können, kann auf schulische oder berufliche Schwächen positiv kompensierend wirken und das Selbstwertgefühl stärken. Hier wirkt die Musik ähnlich wie Sport und stellt zugleich auch ähnliche Herausforderungen.

 

Quelle:

http://www.adhswissen.com/hilfreiche-tipps/musik/